Was in der Folge zu wünschen wäre:
Eine Rückerinnerung an das zentrale Thema: Wer spielt Klavier? Wo gibt es etwas zu holen?
Sollte nicht endlich irgendein (versuchter) Coup stattfinden?
Jeder der Hausbewohner sollte (mindestens) noch einmal in Erscheinung treten.
Und sich tunlichst in irgendeiner Weise verdächtig machen.
Man sollte sich die Frage nach der Motivation jedes Hausbewohners stellen: Was will er/sie und warum? (Das muss zwar nicht aufgedeckt und niedergeschrieben werden, regt aber an und schafft Klarheit). Die Hintergründe fürs Handeln müssten einigermaßen lebensecht und plausibel sein.
Eine Liebesgeschichte sollte stattfinden, mit wem auch immer – (selbst wenn es nur in der Phantasie wäre…), freilich am besten mit der Hauptperson.
Aufgeworfene Fragen sollten beantwortet werden.
ZB wer hat Stari verpfiffen? Warum?
Es müssen keineswegs Erklärungen oder Aufklärungen erfolgen. Das ermüdet. Viel besser sind Andeutungen! Fährten legen; vieles offen lassen.
Wusste nicht Amalia etwas über die Verschwundenen?
Ist der Affe wirklich der Klavierspieler?
Anregung:
Jupps Psyche ist weitgehend unbeleuchtet.
Wenn er zB verschwindet/untertaucht, gäbe das Anlass, über ihn zu reflektieren.
Sind die Aufzeichnungen aus dem Notizblock wirklich als Tatsachen zu nehmen?
Stari könnte den Verdacht hegen: Vielleicht war der Onkel ja ein Phantast?
In der Folge könnte sich zB auch herausstellen, dass Onkel Max ein gefinkelter Autor war…
Belinda könnte mit ihrer naiv-kindlichen Betrachtungs- und Vorgehensweise einiges an Frische bringen.
Staris zunehmend bedenklicher Psycho-Zustand kann aufgegriffen werden.
Ebenso die mythologischen Verflechtungen, die einiges hergeben.
Die Verwandtschaftsverhältnisse möglichst nicht zu sehr ausbreiten, sondern klar darlegen oder für falsch (bzw. als Lüge oder Phantasie) erklären.
Einsortiert unter:Uncategorized | 1 Kommentar
Nächstes (letztes?) Kapitel – (ich hoffe, dass es gut passt, gez. Fariba Talejman)
Und da plötzlich, gerade wieder im Treppenhaus unterwegs, hören Jupp und ich eine Melodie – ein Stück, gespielt auf einem Flügel. So beginnen wir unsere Suche nach der Wohnung des Klavierspielers fort zu setzten.
Aus welcher könnte die Melodie stammen?
Durch seine lediglich höchst vage Vermutung ordnet Jupp sie zunächst dem Ehepaar Ochs zu.
Leicht angespannt, läute ich die Klingel, an der beide Vornamen mit dabei stehen.
Erwin Ochs öffnet die Tür; ich erschrecke, denn es begrüßen mich lauter Tierköpfe, die an hölzernen Wänden hängen – ist wohl ein Jägersmann, dieser Herr Ochs!:
Hirsch-, Reh- und Wildschweinköpfe; letztere mit Hauern, also nur von Ebern. Außerdem hängt an der Garderobe ein Mantel mit einem halben Fuchs daran als Kragen, der sich selbst in den Schwanz beißt – ist wohl der Mantel von ihr – Edwina Ochs. Geradeaus kann man direkt auf die Küche blicken. Ein Liedchen auf den Lippen pinselt sie dort gerade einen Fasan ein. Woher ich weiß, dass es sich bei jenem Vogel um einen Fasan handeln muss? – Die Federn hat sie sorgsam in einer durchsichtigen Plastiktüte daneben aufbewahrt, als sähe sie auch noch in ihnen einen Verwendungszweck.
Als sie aufsieht und ihre Lippen zu einem leichten Lächeln öffnet, sieht man ihre hässlichen Zähne – ich erschrecke erneut.
„Nun, was ist? Was wollen Sie von uns?“ fragt mich forsch der Herr des Hauses, und auch er hat ganz merkwürdige Zähne: Teils sehr spitz wie die eines Haifischs und die Eckzähne zu lang, wie die eines Vampirs.
„Junger Mann! “, fährt mich der Jägersmann, inzwischen ungeduldig geworden, an: „Was ist? Wollen sie bloß dumm glotzen oder hat ihr Schellen noch einen tieferen Sinn?“
Ich antworte endlich: „Tschuldigung! Ich fürchte, ich hab’ an der falschen Tür geklingelt.
„Wow, eine Antwort! Und ich danke Ihnen noch vielmals für die Störung“, erwidert Ochs mir wohl eher zynisch und knallt laut die Tür hinter sich zu, dass es durch das ganze Treppenhaus schallt und das halbe gar vibriert.
Als Jupp und schließlich weiter überlegen, wo ich denn wirklich hin muss, begegnet uns Belinda. Sie kommt gerade fröhlich die Treppen vom Stockwerk eins höher heruntergehüpft.
-„Hallo, Belinda!“
-„Hallo, welch’ eine Ehre, die Herren Drehbuchautoren!“
- „Belinda, hör zu, ich muss dir jetzt mal was ins Ohr flüstern…“ ich nähere mich ihrem hübschen rechten Ohr und erzähle ihr leise von den Ochsens, und dass ich sie für sehr suspekt und auch gefährlich halte.
- „Mörder!“ rutscht Belinda laut heraus.
- „Psst!“ mahnt sie Jupp ab, „leise!“
- „Oh sorry“, meint daraufhin Belinda zu uns.
- „Ja, ich geb’ dir ja recht“, flüstere ich weiter, „und diese Raubtiergebisse – wie Zombies!“
- „Die sollten mal zum Zahnklempner gehen – oder haben die gar keinen?“
- „Weiß ich nicht – jedenfalls erinnern sie mich an menschliche Tyranno(s)saurus-Rexe.“
- „Dann meide ich sie vielleicht besser!“
- „Ja, das ist sicher am besten so für dich, Belinda. Aber, warte mal!“
Sie will weiter:
- „Och, verderbt mir doch jetzt nicht meine gute Laune. Ihr lehrt mich ja heute echt extrem
das Fürchten. Ich hab’ mir neulich eine weiße Stute im Internet gekauft und bin jetzt auf
dem Weg zu ihrer Stallung, doch für mich ist sie mehr als nur eine weiße Stute, für mich ist
sie ein Einhorn…“
- „Ja, ist ja gut“, beschwichtige ich sie, und sie erscheint uns etwas durchgedreht, „ich wollte dich ja lediglich noch nach Staris fragen.“
Was Neues über ihn gehört? Er wirkte letztens so angespannt!“ – und denke mir so für mich, ohne es auszusprechen: „nahezu einer Mittäterschaft verdächtig.“
- „Nö, ich hab’ nichts mehr von ihm gehört. Aber nun muss ich unbedingt zu meiner Einhorn stute Amelia. Ihr Horn ist unsichtbar und nur für jene vorhanden, die daran glauben…“
und poltert, während sie das erzählt, die Treppe hinunter zum Ausgang und fährt in einem Fluss fort:
- „Doch es ist voller Magie, ein wahres Lebenselixier, denn es kann Tote zu neuem Leben erwecken.“
- „Soso“, meint Jupp, bloß um etwas dazu zu sagen. „Wo hast du das denn her?“
- „Aus einem Zeichentrickfilm!“ und weg war sie.
- „Mein lieber Schwan!“ Jupp und ich sind sich einig, schütteln nur die Köpfe und belächeln ihre Aussage.
Und im nächsten Moment erklingt es wieder, dieses Klavierspiel! –
- „Jetzt aber schleunigst hin, zur richtigen Haustür!“ denken wir uns und suchen diesmal ein
Stockwerk tiefer…
Diesmal horche ich genau, an jeder Tür der Etage, damit wir nicht wieder falsch klingeln. Jedoch finde ich die Töne, die aus einigen anderen Wohnungen kommen, auch nicht ganz uninteressant – aber die müssen sich trotzdem hinten anstellen.
Letztendlich stehe ich, dem Horchen nach, vor der richtigen Haustür. An der Klingel steht „Frau Storm“, stelle ich verwundert fest; denn wir hatten mit einem „Er“ gerechnet.
Diesmal schicke ich ihn vor…
Daraufhin wird er nervös und bekommt feuchte Hände, denn letztlich soll sie sich die
wichtigen Informationen, nach denen wir so lechzen, unter den Nagel gerissen haben. Und nicht nur das: Auch reich soll sie sein…“
Da öffnet uns eine zarte junge Frau die Tür, und ich denk’ mir so: „Das kann sie doch nicht ernsthaft sein – diese Kindfrau!“
- „Guten Tag! Was ist? Warum haben Sie bei mir geklingelt und warum starren Sie mich so
an?“ fragt sie Jupp mit engelsgleicher Stimme, kindlichem Gesicht und blonden Schillerlocken, so dass Jupp fast hinweg schmilzt und seine Nervosität noch schlimmer wird. Schließlich hat er vor, ihr ein paar merkwürdige Fragen zu stellen und ihre Wohnung zu durchsuchen, während ich mich im Hintergrund halte und das Geschehen lediglich im Treppenhaus mithöre…
- „Nun ja“, sagt er und beginnt zu stottern, „I-i-i…ich bin Schriftsteller und gerade dabei einen Krimi zu schreiben. I-i-i…ich weiß nicht, ob sie auch von diesen mysteriösen Dingen gehört haben, die hier im Hause vor sich gehen – oder vielleicht haben Sie ja auch etwas davon bemerkt, gespürt oder gesehen – Tja, wie auch immer…“
- „Nein, da muss ich Sie wohl enttäuschen.“
- „Oh, ähm, vielleicht aber doch. Wissen Sie diese Umstände hier haben mich zum Recherchieren inspiriert. Darum befrage ich die Hausbewohner. Und die haben mich letztendlich auf diese Fährte hier gelockt, auf Ihre Spur. Verstehen Sie?“
- „Um Gottes Willen!“
- „Ja, das tut mir zwar jetzt sehr Leid für Sie, aber hier im Gebäude ist jemand auf höchst mysteriöse Umstände verschwunden. Ich weiß ja auch nicht vielleicht „geplatzt“ oder so was…“ erzwingt sich und auch ihr ein schamhaftes Lächeln, „und na ja, dann wäre da noch diese Erfindung und… Ach, haben Sie eigentlich auch von dem Klavierspielenden Äffchen hier im Gebäude gehört?“
- „Äffchen?“ fragt sie verwundert und verneint mit einem Hauch von Erstaunen in ihrer Stimme… Daraufhin Jupp:
- „Ach, sind Sie das, die hier so voller Hingabe Klavier spielt?!
- „Ja, natürlich. Wer denn sonst?“
- „Aa – Aha! Also, wohnen sie hier a-a- allein?“
- „Ja“, sagt sie, und Jupps Nervosität steigt weiterhin an, denn sie scheint ihm einfach zu gut zu gefallen.
- „D-d- darf ich Sie nach Ihrem Vornamen fragen – Ähm, den brauche ich für meine Aufzeichnungen.“
- „Na schön: Ich heiße Janina – Janina Storm!“ reicht ihm die rechte Hand: „Und wer sind Sie, wenn ich das auch erfahren darf?“
- „Ich bin der Jupp – Jupp Schmitz (ich kenne seinen Nachnamen leider nicht).“
- „Freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen“, und mustert ihn interessiert von oben bis unten.
- „Ganz meinerseits“, freut er sich.
- „Okay, dann kommen Sie doch herein“, bittet Sie ihn nett und höflich.
- „Spielen Sie eventuell auch Klavier? Oder vielleicht ein anderes Instrument?“
- „Nein, ich…- Ich hab’ höchstens mal „Alle meine Entchen“ auf den Tasten eines Klaviers ausprobiert.“
- „Ach, kommen Sie doch mit mir ins Wohnzimmer, wo mein Flügel steht und leisten Sie mir beim Üben etwas Gesellschaft.“
- „Wow, welch’ ein schöner wie Lack und Latex glänzender, großer Flügel!“ Jupp staunt nicht schlecht.
- „Ja, nicht wahr? Aber der wird von mir auch immer schön blank poliert, jeden Tag!“
- „Okay, kommen Sie ruhig näher. Ich beiße nicht.“
- „Oh, gern. Welche Ehre!“ und wird bestimmt gerade noch röter im Gesicht vor Freude und Scham, während sie ihn an der Hand nimmt, ihm wieder tief in die Augen zu blicken scheint und ihm folgendes ins Ohr haucht:
-„Oder wollen Sie nicht mal klimpern? Ich würde mir zu gern Ihr „Alle meine Entchen“
anhören!“
-„Oh, okay, aber nicht lachen!“ Er legt los und trifft, nach nur einer kurzen Weile, schon einen falschen Ton.
-„Oh, das war wohl die verkehrte“, stammelt er nervös und sich dafür schämend.
-„Aber das macht doch nichts. Ich zeig’ s Ihnen“, und nimmt seinen rechten Zeigefinger, um ihn auf die richtige Taste zu führen. Es macht „bim“.
-„Sehen Sie, gar nicht so schwer. Sie lagen nur knapp daneben, ganz nah am richtigen Ton.“
Und ich halte, draußen vor der Tür, ihre Anmache kaum aus und stelle mir gerade vor, wie ihre Bernstein warmen, braunen Augen ihn anfunkeln, als hätten sie soeben Feuer gefangen und wie sie glänzen und wie sie strahlen mit ihrem Wimpernschlag und den zarten Lachfältchen um sie herum. Auch ihre Pupillen sind jetzt bestimmt voller Tiefe und haben sich wahrscheinlich vergrößert. Und ich frage mich: „Warum hat eigentlich immer er dieses Glück? Und das, wo er doch so ein Taugenichts ist!“
Und er vergisst für einen Moment lang, den eigentlichen Sinn seines Hierseins und diesen Spionageakt; denn es sieht im Moment ganz danach aus, als käme jetzt erstmal ein anderer Akt zustande…
„Ach, von wegen einbrechen, Wohnung durchsuchen, Schubladen und Schränke ausräumen, nach Erbschaftspapieren, wertvoll erscheinendem Kitsch und…“ schießt ihm jetzt bestimmt durch seinen von Testosteron vernebelten Kopf, „Tut sie doch so süß und unschuldig!“
- „Ach, warum sieht aber auch nur so zum Anbeißen gut aus?“ frage ich mich da und komme zu dem Schluss: „Sie nimmt sie garantiert auch, diese Anti-aging-Substanz, die so teuer sein soll und die jeder haben will!“
Ihr feuchter Mund nähert sich dem seinen, sie küssen sich. Ich kann es hören!
Und der Raum scheint sich für Jupp in ein kunterbuntes Karussell zu verwandeln, ihm würde angenehm schwindelig, höre ich ihn sagen – mein Gott, steckt in ihm plötzlich ein Poet, so was hatte er noch nie drauf?! Und sie scheinen beide förmlich dahin zu schmelzen, gar mit einander zu verschmelzen wie tauendes, ineinander zerfließendes Schokoladen- und Vanilleeis im Hochsommer, und diese Sätze stammen aber nun von mir und ich denke weiter:
„Ist Liebe nicht noch immer das beste, schönste, gar himmlichste Lebenselixier? Ich kann es hören, wie sie die so genannten Lebensfäden in ihnen beiden Zelle für Zelle verlängert und verlängert und nun folgt eine Explosion mit Lava gleicher Entladung…
Kurz danach scheint er überglücklich in einen süßen Schlummer hinüber zu gleiten, denn man kann ihn schnarchen hören!!!…
Da schreckt Jupp plötzlich auf und fragt sie ängstlich: „Da, hörst du es auch das Gelächter dieses talentierten Äffchens, dem Affengötterideal- und ebenbild?
Unglaublich: Da hangelt es sich doch tatsächlich draußen an einer Liane auf die äußere Fensterbank hinab und in seinem schwarzen Mundraum hat es lauter hässliche, spitze, gelbe Zähne, so dass mir ein kalter Schauer nach dem andern über den schwitzenden Rücken läuft!“ Doch neben ihm liegt die Klavierspielerin und streicht ihm jetzt bestimmt sacht durchs Haar. „Du hast wohl schlecht geträumt, denn es hat weder gelacht, noch spitze Zähne!“ Und sie geht hin und lässt das Zirkusäffchen hinein.
„Ach, und übrigens: du warst gut!“ fährt sie fort, während das Äffchen zu ihrem Klavier hineilt.
- „Ach, ja? Seit wann sind wir per du?“
- „Oha! Dich hat’s aber eben schlimm erwischt. Nun komm’ mal wieder zu dir. Janina an
Jupp, Venus an Mars!“
- „Okay, hier bin ich: Adonis an Aphrodite! Wir haben uns gerade geliebt.“
- „Ja, wir haben es getan! Und es war schön.“
- „War es das? Auch für dich?“
- „Ja, das hab’ ich dir doch bereits gesagt.“
Dann flutscht ihm jedoch laut wieder das alte Gedankenmuster heraus:
- „Und jetzt? Wo du das Äffchen auf deinem Klavier rumklimpern lässt…? Sollte ich dich nicht ein wenig rügen?“
- „Warum?“
- „Er spielt grauenhaft!“
Sie zeigt sich empört:
- „Oh, du bist ja nicht gerade sehr tierlieb!“
- Oh je! Nun gilt es den gewohnten Gedankenfluss zurückzuhalten und sich gut
herauszureden, Jupp!
- „Ach, vergiss es einfach! Ich beliebe manchmal bloß komisch zu scherzen!“
- Oh nein, Jupp, bleib’ bei der Wahrheit. Mir reicht schon ihr Geklimper!
- „Ha-ha, find’ ich trotzdem nicht besonders witzig!“
Und meint dann, ablenkender Weise so zu ihr:
- „Ach, wie spät ist es eigentlich? Vielleicht sollte ich meinen Hintern jetzt besser mal wieder nach Hause schwingen.“
Er sieht auf ihren Wecker neben dem Bett mit leichtem Schrecken:
- „Wow! Ist es wirklich schon 7 Uhr abends?“ Er steht aus dem Bett auf und greift nach seiner
Hose.
- „Ja, natürlich. Schließlich hast du noch so lang geschlafen – tief und fest. Und ich hab’ dich
halt schlafen lassen.“ Sie lächelt; „Hast du denn noch etwas Wichtiges vor?“
- „Nein, aber ich muss halt mal allmählich nach Hause. Ich muss noch meine Zierfische
füttern.“
-„Ach, du hast ein Aquarium? Toll! Darf ich das auch mal sehen?!“
-„ Ja, sicher, irgendwann mal. Aber du musst mich jetzt echt entschuldigen, ich muss jetzt wirklich gehen.“
Er zieht sich an und sie begleitet ihn bis zur Tür:
-„Tschüss!“ haucht sie ihm noch ganz verliebt mit halbem Kussmund ins Ohr.
Sein Tschüss klingt dafür weniger romantisch; denn zu mir hinüber schlendernd, kommt ihm abermals der alte Gedankenquälgeist.
-„So verliebt ich auch in sie sein mag, ich muss es doch tun. Ich tue ja nur, was ich tun muss, um zu überleben!“
-„Ach, Jupp! Demnächst geb’ ich ein Konzert in der Schlossallee!“ ruft sie ihm noch hinterher, während er schon die Stufen hinaufeilt.
-„Wann?“
-„Diesen Freitag! Kommst du auch?“
-„Nein, da muss ich dich jetzt leider enttäuschen, aber gerade freitags, da hab’ ich noch etwas sehr Wichtiges zu erledigen.“
Drei Tage vergehen wie im Fluge. Es ist Freitag und es wird Abend. Gegen 18:00 Uhr verlässt sie Ihre Wohnung, um ihr Konzert in der Schlossallee zu geben.
Darauf haben wir nur gewartet wie zwei Luxe. Darum schwingen wir uns auch, knapp 8 Minuten später, mit einem Seil aus einem meiner Fenster und wagen es tatsächlich bei ihr einzubrechen. Dazu muss einer von uns mit einem Hammer ein Loch in eine ihrer Fensterscheiben schlagen, um dort hindurch krabbeln zu können, in ihre Wohnung. Und wir stellen wirklich ihre ganze Wohnung auf den Kopf; suchen stundenlang nach Hinweisen auf ihren und meinen Verwandschafts- bzw. Erbschaftsgrad, diesem teueren und daher für uns höchst wertvollen Anti-aging-Präparat, dem so genannten Lebenselixier, das die Lebensfäden in jeder einzelnen Zelle unseres gesamten Organismus wieder verlängern können soll.
(Nur nebenbei zur Info: Bei der Geburt hat man den längsten Lebensfaden; doch der verkürzt sich im Laufe des Lebens halt unaufhaltsam und immer stärker, desto mehr Jahre man auf dem Buckel hat, so dass er am Ende, wenn man, sagen wir mal, zwischen 80 und 90 Lebensjahren erreicht hat, am allerkürzesten ist.)
Tja, und letztlich natürlich auch nach etwas, das sehr wertvoll aussieht, auch wenn es das nicht ist…
Jedoch gibt sich Jupp schon bald geschlagen, indem er mir gegenüber erzählt,
das er ihr zuliebe mit dem Diebstahl wie dem Agentenspiel aufhören möchte.
-„Ach, weißt du was? Lass uns’ doch die Ochsens beklauen!“ schlägt er mir vor.
-„Ja, toll, aber nur, wenn sie dich beißen und abschlachten und nicht mich!“
-„Ach komm’“, sagt er plötzlich, „zumindest haben wir eine spannende Geschichte zusammen. Doch den Privatdetektiv und Einbrecher möchte ich nicht länger spielen.
-„Was? – Aber das war doch deine Idee!“
-„Ja, aber ich habe meine Meinung halt nun geändert!“
-„Was? Du und verliebt? Nein, nicht möglich. Du willst sie doch alle bloß mal knallen?!“
-„Arschloch!“
-„Oberarschloch!“
Und so wir gehen getrennte Wege, jeder zu sich nach Hause.
Und ich setze mich gerade, sehr nachdenklich an meinen PC-Tisch seufze: „Ach ja, das Leben kann so anstrengend sein. Vor allem wenn man etwas klauen oder Erben möchte…“
Da höre ich es an seiner Wohnungstür klingeln.
Oh, seine Tür knarrt, die wollte er doch längst mal geölt haben.
Und wer steht völlig nervlich fertig und in Tränen aufgelöst schluchzend vor seiner Tür? – Janina natürlich. Oh weh, sie ist zurück.
Oha, ich höre gerade ein lautes Klatschen. Sie scheint ihm eine geknallt zu haben…
-„ Nicht wahr? Das warst du!“
Jupp tut jedoch überrascht und als wüsste er von nichts.
-„Aua, also hör’ mal, ich weiß gar nicht, was überhaupt passiert ist!“
-„Einbrecher!“
-„Oh, das tut mir sehr leid für dich!“
-„Hör’ auf, du steckst doch mit dahinter!“
-„Aber um Himmelswillen, was denkst du von mir? Ich würde dir niemals so etwas antun. Ich
hab’ dich doch gewarnt, dir erzählt, dass hier mysteriöse Dinge im Haus vor sich gehen.
Ach, möchtest du mal mein Aquarium sehen?“
-„Hast du Töne, dass du mich auch noch verhöhnst! Hilf’ mir lieber, wieder alles in Ordnung
zu bringen. Oder ich ruf’ die Polizei, und diesmal kommt sie, um dich abzuholen und nicht wie neulich wegen jemand anderem!“
Daraufhin scheint er sie tröstend in den Arm zu nehmen…
-„Ist ja gut, wein’ dich nur an mir aus. Ich verspreche dir, ich bring’ alles wieder in Ordnung bei dir, ich schwör’ s!
Was? Jupp, du schwörst? Bei was? Das ist ja ganz was Neues!
-„Okay, dann komm’!“
-„Weißt du was? Bei dir ist doch gar nichts zu holen! Es lohnt sich für mich nicht, unsere Freundschaft aufs Spiel zu setzen. Ich mag dich nämlich!“
- „Warum brichst du dann bei mir ein?“
- „Das war nicht meine Idee, ich schwör’ s dir!“
Lügner, Verräter!
Und so beschließt er doch tatsächlich, ihr beim Aufräumen zu helfen und unserer Story demnächst behände ein erfundenes Ende zu geben statt einem wahren.
– Aber, was wird nun aus mir, muss ich jetzt ohne ihn weiter suchen? Oder soll ich etwa auf mein Erbe verzichten???
Autorin: Fariba Bonrouhi
Pseudonym: Fariba Talejman
Staatsangehörigkeit: deutsch*
Geb. am: 19.10.1974
Geboren in: Rastatt
Wohnhaft in: 55543 Bad Kreuznach (An der Kuhtränke 13)
E-mail-Adresse: Fariba.Bonrouhi@web.de
Hobbys: Schon seit meiner Kindheit: Schreiben und Malen
Erlernter Beruf: Fremdsprachenkorrespondentin
(Mein Schicksal hat mich jedoch nicht weiter als in eine P-Werkstätte geführt.)
*Mein Vater (+1988) war Iraner, meine Mutter ist deutsch.